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2012
Carolin Wahl erzählt, wie Musik sie zu ihrer Gewinnergeschichte inspirierte
Ein Interview mit der Gewinnerin des Panem-Schreibwettbewerbs
In Deiner Geschichte „Herzabdrücke“ werden die Menschen durch Melodien fremdgesteuert – ihr ganzes Leben ist von der Regierung vorbestimmt. Ist das für Dich eines der absoluten Schreckensszenarien: dass man seinen freien Willen und seine Selbstbestimmung verlieren könnte?
Ja, definitiv ist es einer meiner Schreckensszenarien. Gerade Künstler, die speziell mit ihren Gedanken ihre Welten erschaffen, wären davon betroffen. Irgendwie ist das fast ein bisschen unvorstellbar. Aber eben nur fast. Der Grundgedanke, den ich aufgegriffen habe, ist prinzipiell nichts Neues, er wurde schon häufig von anderen Menschen erzählt. Umso interessanter ist jedoch, dass er immer und immer wieder auf so großen Anklang stößt. Gerade in „Herzabdrücke“ fragt man sich: Könnte das nicht alles so passieren? Und was bin dann ich, wenn ich nur fremdgesteuert werde? Das sind Fragen, die ich mir beim Schreiben gestellt und die mir, ehrlich gesagt, einen Schauder über den Rücken gejagt haben. „Was wäre wenn“-Szenarios können ganz schön beängstigend sein…
Dane, der für die Regierung arbeitet, um Aufständische aufzuspüren, wird durch Elonas Gesang bekehrt. Wie kamst Du darauf, Musik in Deiner Geschichte so eine große Bedeutung einzuräumen? Ist sie auch privat eine Leidenschaft von Dir?
Dystopien sind ein sehr modernes und gern gelesenes Thema, wie man anhand „Die Tribute von Panem“ oder den ganzen anderen Büchern wie „Die Auswahl“ (Ally Condie) oder „Eden“ (Thomas Thiemeyer) sehen kann. Wie bin ich darauf gekommen, Musik in diesem Kontext eine so große Bedeutung einzuräumen? Ich fand es beängstigend und faszinierend zugleich, dass etwas, das uns so nah ist und etwas, mit dem sich die meisten Menschen auf dieser Welt beschäftigen, etwas, das sie bewegt, der Inbegriff des freien Willens, auch gleichzeitig das Mittel sein kann, das uns, oder den freien Willen, zerstört.
Da Musik der Grund für das fremdgesteuerte Leben der Menschen ist, habe ich nach einer plausiblen Lösung gesucht, um genau diese Fremdsteuerung zu brechen. Und bin auch hier wieder auf die Musik gestoßen, ein sich schließender Kreis, an dessen Ende die Hoffnung steht. Die Hoffnung, den freien Willen wiederzuerlangen.
Um die zweite Frage zu beantworten: Ja, Musik ist eine große Leidenschaft von mir – auch wenn ich persönlich der unmusikalischste Mensch bin, den man sich vorstellen kann. Ich liebe Musik, keine Frage, aber ich spiele weder ein Instrument, noch kann ich singen. Ich war eins von jenen Kindern, das von seiner Mutter verzweifelt zum Blockflötenunterricht gezerrt wurde. In der sechsten Klasse habe ich ungewollt in unserem Schulmusical einen Soloauftritt bekommen und war danach das Gespött meiner Mitschüler, auch wenn sie das ganz gut versteckt haben. Selbst meine liebe Tante, die normalerweise immer alles in den Himmel lobt, hat nur ein trockenes „Nicht jeder ist universal begabt“, herausgepresst. Dafür bin ich dann am Schreiben hängengeblieben…
Musik ist während dem Schreiben mein ständiger Begleiter, ich habe extra verschiedene Soundtracks erstellt, die es mir erleichtern, mich in die verschiedenen Situationen hineinzuversetzen: Wenn jemand traurig ist, Liebeskummer hat, wenn jemand stirbt… Das hilft mir meistens, mich in den Szenen zurechtzufinden und einen schnellen Draht zu den Figuren aufzubauen. Kann ich anderen Schreibern übrigens nur empfehlen!
Weißt Du schon, was Du als Nächstes schreiben wirst? Wird es wieder eine Dystopie sein?
Ich habe eine Reihe unterschiedlicher Projekte, unter anderem viele Kurzgeschichten, die spontan oder aus einer kleinen Idee heraus entstehen und nicht ganz so zeitaufwendig sind. Hauptsächlich und aktuell arbeite ich mit meinem Agenten an einem Jugendbuch. Es ist ein sehr typischer Mädchenroman, mit viel Witz und den alltäglichen Problemen einer Fünfzehnjährigen.
Auch wenn mich die Geschichte von Elona und Dane reizen würde – die beiden sind mir trotz der wenigen Seiten sehr ans Herz gewachsen – werde ich wohl erst einmal nicht an einer Dystopie schreiben. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja noch die Gelegenheit dazu?
Zur Gewinner-Geschichte: https://www.triboox.de/manuskripte/herzabdruecke/YBTgSB9nsKpy/
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Als ehemaligem DDR-Bürger hat mich die Idee der Autorin sehr angesprochen, auch wenn es mir jetzt gerade erst deutlich wird. Ich weiß von mir und erlebe es auch bei den Mitmenschen, dass bestimmte Arbeiter- und DDR-Lieder, die wir damals gelernt und gesungen haben, sehr tief sitzen und mit Gefühlen verbunden sind. Das führt so weit, dass wir manchmal zu vorgerückter Stunde am Lagerfeuer diese Lieder singen, ohne davon überzeugt zu sein. Das ist eigentlich gruselig, aber es zeigt sehr deutlich, welche Macht bestimmte Lieder und Melodien haben.
Hallo Carolin!
). Schön, dass du an einer Dystopie schreibst. Ich versuche auch zu schreiben. Vielleicht mache ich auch einmal an einem Wettbewerb mit. Nochmals herzlichen Glückwunsch! Mein Buch werde ich gleich an Freunde weitergeben
!
Ich habe mich entschieden, die erste und letzte Geschichte der Anthologie zu kommentieren, da das meine Favoriten aus “Herzfeinde” sind. Ich mag deine Geschichte, weil sie spannend und flüssig zu lesen ist. Irgendwie gruselig, wenn man solche Melodien im Ohr hätte, die einen beeinflussen. Deine Geschichte passt zu vielen Dingen im Leben und auf der Welt, die geschehen. Sowas mag ich! Musik finde ich auch sehr wichtig im Leben (natürlich welche, die uns nicht manipuliert