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2012
Über das Löschen von Gedanken – Interview mit Sina Müller, Drittplatzierte beim Panem-Expertenpreis
Wie bist Du auf die Idee gekommen, über das Scannen und Löschen von Gedanken zu schreiben?
Da kamen ein paar Dinge zusammen. Ich war im Vorweihnachts-Stress und gedanklich ganz tief in meinem Roman-Projekt. Eigentlich hatte ich keine Zeit und Ruhe, um in eine komplett neue Geschichte einzutauchen. Ich schob das Plotten von Tag zu Tag, nahm mir fest vor, anzufangen. Aber immer wieder kamen mir die Protagonisten meines Romanes in die Quere.
Irgendwann dachte ich mehr aus Spaß und halb aus Verzweiflung: „Eigentlich könnte ich was über den „Flu:xus“ schreiben“ – dem Gerät, mit dem man Gefühle manipulieren und die Real-Liebe letztlich ersetzen kann. Mein Freund hatte 2001 einen Nachwuchsdesignpreis mit dem Flu:xus gewonnen – ein gutes Omen. Ich begann mit der Idee zu spielen, sie weiterzuentwickeln. Wenn man Gefühle manipulieren und ersetzen kann, muss man sie auch löschen können. Wenn man sie löschen kann, dann muss man sie vorher aber auch kennen. Um sie zu kennen, muss man sie irgendwie sichtbar machen…
Beim plotten kam dann Louis ins Spiel. Ich wollte ihn einen gefährlichen Job beim Widerstand machen lassen, um eine ängstliche Grundstimmung herauszuarbeiten. Gefühle zu manipulieren oder zu ersetzen schien mir aber in dem Zusammenhang irgendwie unpassend. Warum sollte ein Regime ein gesteigertes Interesse an Gefühlen haben? Alle Antworten waren entweder zu erklärungsbedürftig und komplex für eine Kurzgeschichte oder zu gefühlsduselig.
Da kam mir das Kabinett der Träume in den Sinn. Ein Schauplatz, den ich vor ein oder zwei Jahren für eine meiner Geschichten entwickelt hatte und aus dem ich schon lange mehr machen wollte. Damals wurden im Kabinett jeder Traum, der jemals geträumt wurde, aufbewahrt und archiviert. Aber warum sollte man nur „unbewusste Gedanken“ archivieren können? Was, wenn man Gedanken, die man vor jemand anderem verbergen will, irgendwo versteckt? So kam eins zum anderen und aus der geplanten Geschichte über manipulierte Gefühle wurde letztlich eine über das Scannen und Löschen von Gedanken.
Weißt Du schon, in welchem Genre Du Deine nächste Geschichte ansiedeln möchtest? Welches Genre liegt Dir am ehesten?
Ich habe viele Geschichten im Kopf, die darauf warten auf Papier gebracht zu werden. Auch Geschichten für jüngere Kinder. Ich hab mich auch schon an verschiedenen Genres probiert und fand viele spannend. Fantasy interessiert mich, Kinderkrimis finde ich toll, aber irgendwie schleicht sich dann doch immer wieder eine Liebesgeschichte ein.
Der Jugendroman, an dem ich gerade arbeite ist auch eine Liebesgeschichte. Sie ist aber deutlich leichter, beschwingter als „Gedankenlos“ und spielt im „Hier und Jetzt“.
Wird es in Zukunft in einer Deiner Geschichten nochmal ein Wiedersehen mit Louis und Carleen geben?
Die beiden sind mir tatsächlich sehr ans Herz gewachsen. Ich fand es spannend eine Liebesgeschichte zu schreiben, die nicht so glatt ist. Kein Friede-Freude-Eierkuchen, sondern auch ein bisschen Misstrauen unter den Liebenden. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich den beiden einmal Raum gebe, ihre Geschichte im größeren Zusammenhang erzählen zu lassen. Und zu erzählen gibt es sicherlich genug. Aber jetzt steht erst einmal mein Jugendroman im Vordergrund. Was danach kommt kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen.
Hier geht’s zu Sinas Geschichte: https://www.triboox.de/manuskripte/gedankenlos/6CK8udPPCes/
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